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Montag, 20. August 2012

brennende kunst.

Ich kaue auf meiner Unterlippe rum, mein Blick huscht zur Schranktür. Nein, lass das. Demonstrativ setze ich mich wieder vor mein Netbook. Check alles. Keine neuen Emails. Keine Benachrichtigungen. Das Video läd noch immer hoch ... obwohl, wahrscheinlich ist es irgendwie abgekackt, und das sieht nur so aus, als würde es noch hochladen. Dreck.
Wieder huscht mein Blick zum Schrank. Es wäre doch eigentlich nicht weiter Schlimm. Ein, zwei Kratzer mehr fallen nicht auf. Verdammt, reiß dich mal zusammen. Ich lege meinen Kopf auf die Tischplatte, und versuche die Kopfschmerzen zu verdrängen.
Haha. Ich Dreckskind. Ich hab das ja nicht verdient. Ich bin zu normal dafür.
Gott, wie ich mich hasse. Wie erbärmlich das alles ist. Wie neidisch ich bin, wie heftig Schuldgefühle ich habe, wie ich es hasse, alles. Hier und jetzt, alles, verdammt. Vergesst mich einfach mal, ich will niemanden wehtun oder nerven. NUTZLOS.

edit: Und schon sitz ich hier, drei brennende Striche an meiner Hüfte. Wunderbar symmetrisch. Hach, leben. Endlich. Verdammte scheiße.

Dienstag, 10. Juli 2012

Mein Kopf platzt gleich. Szenen, Momente von diesem Abend wirbeln in meinem Kopf rum. Ich habe vergessen, wie ich sie ordnen kann. Da ist zu viel im meinem Kopf, ich kann nicht mehr.
Ich, wie ich auf der Decke liege. Um uns die Wiese, schlechte Musik. Wir sind nah am Fluss. Du neben mir, um uns unsere alte Klasse. Al, nicht meine beste Freundin, aber eine unersetzliche. Ich werde müde, und das ist es was mich wirr werden lässt.
Du beugst dich zu mir, und ein Bild taucht in meinem Kopf auf. Für einen Moment, nur eine winzige Sekunde lang glaube ich du küsst mich jetzt. Und das was mich erschreckt ist, dass ich es zugelassen hätte. - Aber du küsst mich natürlich nicht. Du hälst mir einen kleinen Cracker an die Lippen, und ohne nachzudenken öffne ich meine Lippen. Ich muss lächeln, als du mich so fütterst. Einer aus unserer Klasse starrt uns an, doch das stört uns nicht.Ich verfüttere ein Y-Cräcker an dich.
Der Tag vergeht schnell. Schon eine Ewigkeit liege ich auf der Decke, und du hast deinen Kopf auf meinen Bauch gebettet. Und weil ich nicht anders kann, sind meine Hände in deinen Haaren vergraben und spielen mit ihnen. Du guckt auf dein Handy und zwei Stunden sind vergangen.
Doch an diesem Tag warst du nicht die Einzigste, die mich Verwirrt, hat. Obwohl ich noch keinen Schluck getrunken habe, fühle ich mich aufgekratzt, ich lache. Aber wieso? Darüber muss ich schon so lange nachdenken. Ist es, weil ich mich in Bücher flüchte? Die wahre Welt hinter mir lasse, mich von Märchen und unmöglichen Erwartungen einweben lasse? Erwartungen, davon trage ich schon zu viele mit mir rum. Aber vielleicht dehydriere ich; denn ich habe nicht nur Alkohol gemieden, sonder jegliche Art von Flüssigkeit heute. Aber kann Flüssigkeitsmangel einen irre werden lassen? So fühle ich mich.

Mein Kätzchen, dich habe ich seit dem Tag, an dem du schon um fünfzehn Uhr weg musstest, nicht mehr gesehen. Du berührst meinen Arm und das genieße ich. Und weil meine Gedanken nicht mehr kontrollierbar und normal sind, wünschte ich, du würdest dich zu mir legen, dich an mich kuscheln und mich die Welt vergessen lassen. Doch du sagst nur, dass ich mitkommen soll. Hier gibt es keine Toiletten, und alleine pinkeln gehen - wer will das schon. Also gehe ich mit und will so schnell wie möglich wieder zu meiner Decke und mich dort hinlegen.
Doch da begegnet wir ihm. Scheiße verdammt. Ich bin nicht mehr ganz klar im Kopf. Ich weiß was jetzt kommt - er ist betrunken, und knuddelbedürftig. Richtig gefährlich, denn das liebe ich. Ich denke so oft an dich die letzte Zeit, und wünsche mir immer mehr wir wären beste wenigstens gute Freunde.
Du kommst auf uns zu und breitest deine Arme aus. Es schmerzt, so sehr brauche ich diese Umarmung. Es schmerzt, deswegen hebe ich so wie du meine Arme und lasse mich nur allzu bereitwillig von dir umarmen. Ich brauche das viel zu sehr. Es sind nur wenige Sekunden, die ich mit aller Macht festzuhalten versuche. Du bist nun größer als ich, du bist gewachsen, im Gegensatz zu mir. Deine Arme sind stärker, drücken mich an dich, und ich drücke klammere mich an dich. Ich will das genießen, doch habe ich verlernt wie das funktioniert. Irgendwie taumeln wir ein bisschen, aber ja du bist ja betrunken. Denn nüchtern umarmst du mich nie so. Überhaupt nicht. Ich inhaliere deinen Duft, ich lache, ich bin benebelt. »Wie viel hast du getrunken?« frage ich. Du nuschelst eine Antwort, doch die dringt gar nicht zu mir durch, weil sie mir egal ist.
Dieser viel zu kurze Moment, in dem so viel passieren zu sein scheint, zerplatzt und du löst dich aus der Umarmung. Du gehst, ich gehe.


Doch der Abend ist nicht vorbei. Als du mich das zweite mal diese Nacht in den Armen hälst, keuche ich auf. Du drückst mich so doll, dass ich  für einen Moment keine Luft bekomme. Du lachst, und ich stimme mit ein. »So zerbrechlich«, höre ich dich sagen. »Klein, schwabbelig und zerbrechlich.« Du scherzt nur, doch irgendwo trifft es mich.
»Ja, ich bin schwabbelig«, gebe ich lachend zu.
»Bestehst nur aus Schwabbel und Knochen. Und Haare.« Lachen. Du löst dich wieder aus der Umarmung. Und wieder gehen wir aneinander vorbei. Mir wird klar, dass ich dich wohl möglich das letzte Mal umarmen durfte, dich das letzte Mal sehen. Dich werde ich am meisten vermissen.
Es vergehen einige Sekunden, als ich meinem Kätzchen beichte: »Ich will ihn nochmal umarmen.« Und ich weiß ganz genau, dass sie mich in diesem Moment für verrückt hält. Doch das bin ich schon den ganzen Tag. Verrückt, irre, krank, neben der Spur. Ich träume von Küssen und Umarmungen, sehne mich nach Liebe, nach Wärme. Sogar mein Kätzchen will ich jetzt einfach in die Arme ziehen, Ihr Gesicht in die Hände nehmen und sie küssen. Scheiße verdammt, was geht in mir vor? Was passiert mit mir?
Ich glaube, ich bin zerstört.

Samstag, 23. Juni 2012

Mein Bruder ruft mich, ich soll rauskommen. Also gehe ich runter, öffne die Tür und trete hinaus. Ich sehe meine Oma auf einen unserer Gartenstühle sitzen, und erwarte für einen Moment meinen Opa neben ihr zu sehen. Beim näherkommen muss ich allerdings feststellen, dass dort nur meine Oma sitzt, ich dreh mich um und sehe, dass meine Tante mitgekommen ist. Mein Opa ist letztes Jahr gestorben, wie sollte er hier sitzen? Es ist das erste Mal seit dem Tod meines Opas, dass meine Oma uns besuchen kommt. Sie wirkt nicht unglücklich, sie sitzt dort wie immer und lächelt.
Meine Tante begrüßt mich indem sie mir die Hand reicht, unpersönlich. Ich lächele. Sie hält mir eine Tüte hin und sagt, dass sie mir ein Ballkleid schenken könnte, wenn es mir denn passt. Ich nehme die Tüte entgegen und schaue rein. Rot und weiß. Ich sage danke, und sage ich werde es mal eben anprobieren.
In meinem Zimmer stehe ich vorm Spiegel, das weiche Rote Kleid fließt an mir herab, ist aber gleichzeitig leicht und irgendwie bauschig. Es ist seltsam rot, glänzt aber schwarzrot im Licht. Eine halbe Ewigkeit betrachte ich mich im Spiegel. Es ist schön, ein wunderschönes Ballkleid, das mir auch noch passt. Schade eigentlich. Ich seufze und ziehe es wieder aus. Ich lege es zusammen und bereue es ein klein wenig, dass ich nicht zum Abschlussball gehen werde.
Ich gehe wieder in den Garten und sage, dass es passt. "Gefällt es dir auch?", will meine Tante wissen. Ich nicke. "Aber.. ich habe mich ja schon entschieden nicht zum Abschlussball zu gehen. Zur Party ja, Ball nicht."  Während ich erkläre, schaue ich auf den Boden. Ich fühle mich mies, weil meine Tante mir ein Kleid mitgebracht hat, dass wunderschön ist, aber ich nicht tragen werde, nicht tragen kann. Wie erwartet schauen mich alle seltsam an, auch mein Erziehungsberechtigter, obwohl er das ja schon wusste. Als würde er von mir erwarten, zum Ball zu gehen, nur des Kleides wegen, der Höflichkeit wegen. Aber ich bin es leid das zu tun, was andere von mir erwarten.
Ich weiß nicht mehr was ich tun soll, ohne bei allem, was ich entscheide, Schuldgefühle zu haben.

Mittwoch, 25. April 2012

Ich weiß, dass ich mir nicht viel erhoffen darf, ich weiß, dass es kein Versprechen ist. Und doch sitze ich hier, alles ist leise. Ich höre Vögel zwitschern. Stille. Ich spüre wie das Blut durch meinen Körper gepumpt wird, spüre und höre den Herzschlag. Mein Herz klopft gegen meine Brust, als würde es zerspringen wollen.
Ich bin hier her gerannt, zu diesen Ort, mitten im Nichts. Kein Versteck, und doch bin ich hier alleine. Es ist das Ende eines Weges, es endet einfach hier. Kurz vor einem Feld. Ich setze mich auf dem Boden. Seitenstiche, Rückenschmerzen. Ich spüre die Zerrung wieder. Die Tabletten wirken nur wenige Stunden; Mittags und Nachmittags sind die Schmerzen da.
Als sich mein Herz beruhigt und die Stiche verschwinden lächle ich. Er hat das Geld überwiesen. Er hat es überwiesen, verdammt, er hat es tatsächlich getan! Ich bin glücklich, auch wenn ein Teil von mir sich schon wieder darauf vorbereitet eine Absage zu bekommen. Ein Ticket ist kein Versprechen, du bist nie sicher.

Dienstag, 24. April 2012

Wir sitzen im Auto und schweigen uns an. Als wir Zuhause ankommen, gehe ich nichtssagend ins Haus, mache mir Kakao und hole meinen Joghurt raus. Ich frage mich, wie wenig ihm meine Gesundheit interessiert, ob ich ihm egal bin. Gerade war ich beim Arzt, er musste ein Medikament bezahlen. Das war das einzige was ihn interessierte, warum er denn Medizin bezahlen müsse. Aber er hat nicht wissen wollen was ich habe, ob es was schlimmes ist, ob ich zu einem anderen Arzt überwiesen werde. Nichts. Es hätte etwas mit meinen Nieren sein können, irgendeine Form von Krebs, die kommt so oft in unserer Familie vor. Verdammt, will er nicht mal wissen was ich habe? Ist wahrscheinlich nur eine Zerrung, wenn es nicht besser wird, soll ich noch mal zum Arzt. Danke für dein Interesse, Opa.
Sie kommt die Treppen runter und ist mal wieder genervt, sagt mir sie hätte die Nummer angerufen, aber es ist niemand drangegangen. Fragt wessen Nummer das denn jetzt sei. Die aus Hannover oder Hamm? Man merkt ihrer Stimme an, wie genervt sie ist, und das nervt automatisch auch mich.
"Was? Wieso Hannover? Das ist die Nummer von der aus Hamm", erkläre ich.
Sie meckert rum, stöhnt auf, lügt sagt dass ich doch vorhin gesagt hätte, das wäre die Nummer aus Hannover. Gibt vor, ich hätte sie vorhin falsch verstanden, ich hätte etwas falsches gesagt. Nein du Miststück, du! hast es falsch verstanden, ihr hört mir nie zu, ihr verdreht Tatsachen, ihr wollt nicht, dass ich glücklich bin.
Ich versuche zu erklären was es mit Hannover auf sich hat, sie lässt mich wieder nicht ausreden und meint wieder nur wie verwirrend das sei, und dass sie kein Bock mehr auf den ganzen Scheiß hat. Ich werfe ihr in Gedanken wieder Schimpfwörter zu.
Wenig später fragt sie wieder wann sie da wieder anrufen könnte, sodass jemand dran geht.
Um 20 Uhr telefonieren sie. Sie und ihre Mum. Ich hasse es, wenn sie mit Fremden telefoniert. Helle, überfreundliche Stimme, viel zu schnelles wirres Gerede. Aber als sie aufgelegt hat, machte sie einen positiven Eindruck. Findet ihre Mum nett, findet gut, dass sie Kontakt halten wollen, bla. Aber gut. Einen winzigen Schritt näher Düsseldorf. Nur mein Opa ist unsicher. Angst und so. Wollte erst nicht mal beim Gespräch dabei sein, sich wahrscheinlich nicht einmal anhören, ob sie findet, ihre Mum hört sich vertrauenswürdig an. Verdammt, Opa. Wieso interessiert dich mein Leben so verdammt wenig?! Selbst das Miststück interessiert es mehr, fragt wie es beim Arzt war. Auch wenn sie alles ausnutzt ...


54,8
Und der kleine Prinz sagte zu dem Mann: "Die Erwachsenen verstehen nie etwas von allein. Und für die Kinder ist es sehr lästig, Ihnen immer alles erklären zu müssen."

Montag, 23. April 2012

Gelangweilt sitze ich im Wohnzimmer und surfe im Internet. Ich höre ein Auto die Einfahrt hochfahren. Sie kommt um die Ecke, schließt die Tür auf. Ich höre sie wieder zuknallen, mürrisches Gemecker, sie stürmt ins Wohnzimmer. Hat wohl ihren Krankenschein vergessen. Flucht und meckert, knallt die Tür wieder zu und geht.
Ihre Launen, ihre Selbstsucht, ihre Worte .. alles hasse ich an ihr. Von einen auf den anderen Moment kann sie von nett auf herablassend wechseln. Sie ist eingebildet, glaubt ein 'Menschenkenner' zu sein, und allein von einem Gespräch beim telefonieren heraushören zu können, wie eine Person so drauf ist. Aha.
Jetzt sind sie wieder weg, ich bin alleine. Sie sind zum Krankenhaus gefahren sie hat dort einen Termin. Hoffentlich wird sie da behalten, operiert und so weiter. Damit sie endlich mal hier weg ist, damit ich sie eine Weile nicht zu sehen brauch. Sie soll dort bleiben und gesund werden, damit sie hier nicht mehr durch die Wohnung läuft, ihre Launen auf ihre Bandscheibenvorfälle schiebt, uns Vorwürfe macht, .. Und damit ich endlich bedingungslos und hundertprozentig nach Düsseldorf darf. Ja, Nein, Ja, Nein, Ja, Nein. Hier kann man sich nie sicher sein, man kann kein ja ernst nehmen, aber muss sich bei einem nein darauf einstellen, verloren zu haben. Unsicherheit pur. Bin ich froh, wenn ich hier weg bin.

Freitag, 20. April 2012

Das Leben ist fallen. Ewiges fallen.

Ich sitze auf dem kalten Boden und reiße Blätter aus meinem Block. Aus den Blättern falte ich Origami Vögel. Die kann ich am besten, und ich liebe sie. Viele hängen von meiner Decke, diese hier werde ich auch dort hinhängen. Es sind Vögel die nicht fliegen können. Niemals, ihre Flügel sind nutzlos.
Die losen Blätter auf dem Boden vor mir tränken sich mit salzigen Tränen. Ich hasse sie, ich hasse sie, ich hasse sie. Ich versuche mich abzulenken. Ecken bis zur Mitte falten, umdrehen, und noch einmal...
Das Miststück kommt in mein Zimmer geplatzt. Sagt mir Dinge, setzt mich unter Druck, macht Stress. Dein Onkel ist da, er erlaubt dir nicht etwas zu bestellen und bei deiner Freundin zu übernachten; Gib mir mal die Nummer von ihr, wir rufen ihre Mutter jetzt an. Du hast die Nummer nicht? Na dann frag sie. Irgendwann heute werden wir sie wohl noch erreichen!; Kann ihre Mutter dich nicht abholen? Warum sollten wir dich hinfahren, du willst doch zu ihr, wir haben nichts damit zu tun. Denk mal an dein Opa, er ist alt, er kann dich doch nicht immer überall hinfahren. Und ich habe zwei Bandscheibenvorfälle, was willst du mir zumuten? Wieso sollte sie dich nicht abholen? Wir würden dich ja auch denselben Weg hinbringen.; Du darfst da nicht hin. Dein Onkel will das nicht und wir bringen dich nicht hin. Kannst du deiner Freundin schreiben. Ach ja, und sei nicht so faul und schreib mal Bewerbungen! Ja, ich weiß dass du nach den Sommerferien auf eine neue Schule gehst, aber du weißt ja wann du da weg bist! Also schreib. Ach halt doch die Klappe, du hast doch keine Ahnung, Kind! Ich höre mir das alles an, will Dinge erklären, hinterfragen aber das Miststück hört mir nicht zu. Vor einem Monat habe ich schon wegen Übernachten gefragt. Es war in Ordnung. Aber es muss nur mein Onkel kommen, der sich darüber aufregt und es mir verbieten will, obwohl er kein Recht dazu hat. Ein Tag. Ein Mensch. Eine Meinung. Und es zerstört alles. Sie meint, ich kenne sie doch nur aus den Internet, ich wüsste doch gar nicht wie ihre Familie drauf ist, was da so 'abgeht'. Aber ich weiß das, und ich muss sagen, das Miststück ist Gefährdung genug. Schlimmer kann kaum ein Mensch zu mir sein.
Am liebsten würde ich sie anschreien, ich weiß was ich tue! Ich weiß, dass ich bei dieser Familie tausendmal besser aufgehoben wäre als hier! Und mal so nebenbei, die Schule wird mir bei der Entscheidung helfen, ob ich Erzieherin oder Krankenschwester werden will. Dazu dient dieses Jahr. Eine Entscheidung treffen, also halts Maul, du verdammte Hure. Aber das kann ich ihr nicht sagen, sie lässt mich eh nie ausreden, und selbst wenn, ..sie würde auf mich losgehen, und die Chance, dass ich nach Düsseldorf darf würde noch mehr sinken. Ich bin hoffnungslos hier festgekettet, habe keine Chance mich loszureißen. Ich muss tun was sie sagt, sonst zerstört sie das Leben, das sie jeden Tag immer mehr besitzt. Zerstörung. Komplett.

Mittwoch, 18. April 2012

You're a fucking LIAR

Der Lehrer nimmt mich dran. Ich beginne vorzulesen.
Lüge: eine grobe, faustdicke, glatte, niederträchtige, gemeine, raffinierte Lüge; sich eine Lüge ausdenken; Lügen erfinden, jemandem haarsträubende Lügen auftischen; jemanden der Lüge bezichtigen; er verstrickte sich immer mehr in Lügen. Sprichwörter: Lügen haben kurze Beine (es lohnt sich nicht, zu lügen; die Wahrheit kommt oft rasch zu Tage); Lüge vergeht, Wahrheit besteht.
Während die nächste Definition vorgelesen wird, schreibe ich die, die ich vorgelesen habe, auf ein abgerissenes Stück Papier.
Zuhause angekommen erwarte ich schon fast, dass irgendwas nicht stimmt. Mein Erziehungsberechtigter kommt die Treppe runter und rührt die kochenden Nudeln auf dem Herd um. Ich frage mich, ob er mir jetzt wieder einen Teller rausholt, das Essen daraufmacht und ihn mir gibt. Ich überlege schon was ich sage. Hey, ich kann mir auch selber Essen auftun, zum Beispiel. Dann höre ich wie das Miststück aus ihrem Zimmer schwankt, ich runzle die Stirn. Sie fällt fast die Treppe runter, meckert vor sich hin, für mich würde sie nicht nach Düsseldorf. Düsseldorf. Düsseldorf. Sie geht ins Wohnzimmer, meckert meinen Erziehungsberechtigten an, schmeißt die Süßigkeiten aus der Schüssel durch den ganzen Raum. Geht wieder in ihr Zimmer. Drehe mich zu meinem Erziehungsberechtigten, frage War sie drüben? Er nickt. Klasse. Super. Toll. Sie war drüben, bei unserem Alkoholikernachbarn und hat sich das Hirn dumm gesoffen. Ich nehme mir von der Rindfleischsuppe und gebe ein paar Nudeln rein. Sie kommt wieder runter, meckert und beschuldigt und lügt. Ich kriege alles, ich bin die, die verwöhnt wird, aber sie und mein Bruder würden nie etwas bekommen. Ja, natürlich, das ist 100%ig so. Ich bin die, die mit allem beladen wird, was ich brauche, was ich will. Sobald ich schnippse, lasst ihr alles zu Boden fallen und ich bekomme, wonach ich verlange. Logisch, so gehts ab. Als ob. Wer von uns brauch denn nur zu sagen 'Bring mal Weintrauben mit' Oder Zigarette, Hülsen, Gummibärchen, Zwiebelringe, Bananen, Alkohol. Ich? Nein, ganz sicher nicht. Wenn ich spontan sage 'Bring mir mal Erdbeeren mit' oder Chips oder Früchtsäfte, oder sonst was, würde mein Erziehungsberechtigter mir den Vogel zeigen und sagen ich hätte ja selber Geld.
In Gedanken werfe ich ihr Schimpfwörter zu und sowas wie steig von deinem hohen Ross runter. Sie labert mich zu, Alkoholgestank. Ich nehme mir meine Schüssel und will rüber gehen. Sie stellt sich mir in den Weg, reißt mir die Schüssel aus den Händen und knallt sie auf den Tisch. Du bleibst hier! Du gehst nicht ins Wohnzimmer, der Tisch und die Stühle stehen da nur zur Dekoration, das soll einen guten Eindruck machen, weil jeder denken soll, wir sind eine Familie! Aber das sind wir ja nicht, oder? brüllt sie. Wir und eine Familie? Nie im Leben. Sie hat diese Familie doch kaputt gemacht, sie zerstört alles, und schiebt es dann auf uns.
ICH HASSE SIE.
Um 15:00 Uhr bin ich mit einer Freundin in die Stadt, ich muss von dieser psychisch Gestörten einfach weg. Wir fragen in vielen Läden nach, ob sie noch jemanden für den Zukunftstag annehmen würden. Alle sagen nein, nur bei der Schneiderei bekomme ich ein ja. Immerhin. Wir gehen einkaufen, nehme mir drei 500g-Naturjoghurts, für nächste Woche. Eine neue Packung Knäckebrot, eine Tüte saure Stäbchen und eine Tüte Tortilla Chips. Alles vorrätig. Meine Schublade quillt jetzt schon über ...
Al schenkt mir einen Keks. Wir rufen ihren Dad an, lassen uns abholen und ich bin bereits um 17 Uhr Zuhause. Der halbe Tag ist gerettet.

ein großes ♥ an meine Little

Dienstag, 17. April 2012

Nach dem Sommerferien komme ich an eine neue Schule. Sie ist weiter weg, so ziemlich eine Stunde. Ich muss um 5:30 Uhr aufstehen, um 6:54 Uhr fährt der Bus. Ich werde niemanden kennen, muss mich zwischen fremden Menschen und einer fremden Schule zurechtfinden, und hoffen nicht gehasst zu werden. Das Opfer zu werden. Das ist das letzte, was ich gebrauchen kann. Nur Isabel werde ich kennen und in den Pausen sehen. Es ist so verdammt scheiße, dass sie eine andere Fachrichtung gewählt hat. Aber immerhin. Die Pausen.
Ich werde erst frühstens um 17:00 Uhr zu Hause sein, man wird mich abholen müssen. Oder ich fahre mit dem Bus mit bis zum Nachbarort, und von da an laufe ich ..? Vielleicht tut das ja gut. Aber ich werde nur ein Jahr an diese Schule gehen. Was sich wohl alles ändern wird? Was für Menschen ich kennen lernen werde? Wen ich hassen werde, wen ich lieben werde? Wie der Unterricht wird ..
Nur ein gutes hat das ganze, und zwar Ablenkung. Ich werde dort Mittag essen müssen, das heißt ich kann mir am Abend zuvor immer etwas selbst machen, oder morgens ein Sandwich. Ich werde nicht das vor Fett tropfende, eklige Mittagessen, welches es hier Zuhause gibt, mitessen müssen.
Soll ich mich freuen? Soll ich mich fürchten? Ich weiß es nicht. 


Liebste Grüße an meine little, mit der ich zusammen abnehme.♥

Donnerstag, 12. April 2012

Heute war erster Schultag. Ich habe nichts vermisst, bis auf die Ablenkung. Matheformeln vergessen. Politikthema vergessen. Schreiben ungewohnt. Sport ist ausgefallen. Positiv.
Pause. Blaubeeren. Neben mir belegte Brötchen, ich widerstehe. Trinke Wasser. Hätte ich doch nur nicht mein Geld vergessen! Lesen Texte über Brötchen. Rosinenbrötchen. Bekomme mit wann Muttertag ist, schreibe es mir auf die Hand. Sinnloses Gekritzel. Schreibe die Prüfungstermine darunter. Mathe fällt auf den Tag, an dem ich zu Lyle fahre.


Drücke auf die Klingel, die Tür öffnet sich. Al  bittet mich herein. Ich ziehe mir die Schuhe aus, lache gespielt unbeschwert. Va ist bei ihr, ich sehe sie zum ersten Mal. Muss lächeln, immer. Bei Fremden kicher ich, ich kicher. Kicher Kicher Kicher. Es nervt mich, und ich werde rot. Ich lache, lächle, kicher. Versuch mein Lachen zu verbergen. Ich werde rot. Ich hasse es.
Aber das legt sich wieder. Wir machen Fotos, viele Fotos. Irgendwann kann ich lachen. Nicht gespielt, echt Lachen.
Wir sind fertig, gehen zum Haus zurück. Matsch, dreckige Schuhe, dumme Gespräche und Schweigen, als ich nicht mitreden konnte. Nein, ich wurde nie von meinen Eltern geschlagen.
Vanillepudding, nur wenig. ich liebe Vanillepudding. Erdbeeren wären jetzt nicht schlecht. Mehr sinnfreies Gelaber. Beleidigungen, die nicht böse gemeint waren, jedoch wehtun. Endlich werde ich abgeholt.

Die Berge in meiner Schublade häufen sich. Yogurette. Duplo. Oreo-Milka. Schokoeier. Eine Tüte Weingummi. Eine Tüte Gummibärchen. Wann die Schublade wohl leer sein wird?
Gute Nacht.

Dienstag, 10. April 2012

Ich gehe. Renne. Laufe. Habe mir vorgenommen heute zu fasten, weil sie wieder weg sind.
Jetzt jogge ich in die Stadt. Einige Autos fahren an mir vorbei, beglotzen mich. Ich beobachte schon lange nicht mehr, weil ich selbst nicht beobachtet werden will. Ignoriere Blicke. Ich gehe zu Rewe. Blaubeeren, Knäckebrot, Hüttenkäse, Haferflocken und Rosinen. Perfektes Frühstück. Jogge wieder zurück, der Wind wird stärker, kälter. Lässt meine Augen tränen. Irgendwann bin ich wieder Zuhause. Mein Zwillingsbruder erwartet mich, fragt wo ich war. Erkläre.
Fast zwei Stunden ununterbrochen bewegt. Mein Magen knurrt. Nehme mir fünf Rosinen, lege Wäsche zusammen, mache mir Zitronentee, Fege das ganze Haus durch. Ich schwanke ein wenig.
Bin zufrieden mit mir.

[continue]
Minka ist so unruhig. Sie will nichts mehr essen, sie will nur noch raus. Sie hastet hin und her, beschnüffelt alles, will sich verstecken. Und das nur, weil der Hund hier war. Ich nehme mein Kätzchen mit in mein Zimmer, damit sie sich beruhigen kann.

Montag, 2. April 2012

I'm tired of sleeping, tired of bleeding

Wache auf. Halb neun.
Wieder habe ich den Wecker überhört. Sage mir das ist egal. War bis halb drei wach. Habe an einem Bild gesessen.
Bleibe liegen. Lausche im Halbschlaf der Stille. Nach einer halben Stunde tut sich was. Ich stehe auf und gehe runter. Meine Augen fühlen sich schwer an, müde. Ich hab weniger als 7 Stunden geschlafen. Sage Guten Morgen!, will eine Cornflakesschüssel aus dem Schrank holen. Im Schrank sind keine mehr. In mir zuckt es, ich habe plötzlich Angst ein dummes Kommentar übers Abwaschen an den Kopf geworfen zu bekommen. Passiert nicht. Ich nehme mir eine Plastikschale und esse darin meine Zimtcornflakes.
Sie fahren einkaufen. Ich rufe hinterher: 'Könnt ihr mir gesalzene Sonnenblumenkerne mitbringen? Oder Sonnenblumenkernbrot?',  weil ich Sonnenblumenkerne liebe.
Dann sind sie weg, ich stehe auf und greife nach der schwarzen Flasche mit dem Zeug drin, womit sich mein Erziehungsberechtigter die Haare gefärbt hat. Ich schütte ein wenig auf ein Zewatuch und schmier es mir in die Spitzen meines Ponys.  Umwickle alles mit Alufolie. Stelle mich in Unterwäsche auf die Waage.
55,9 kg

Zum Mittag gibt es Eierkuchen mit Gehacktem. Fettige Eierkuchen. Fettiges Gehacktes. Mir wird schlecht als ich sie im Fett schwimmen sehe. Und als ich zwei Bissen nehme, möchte ich kotzen. Ich zwing mich ca. die Hälfte zu essen. Mir ist immer noch schlecht. 
Die Tür geht leise auf. Sie kommt herein und gibt mir eine Tafel Milka Schokolade mit Oreo-Keksstückchen. Ich möchte sie aufreißen, Stück für Stück abbeißen, den Geschmack genießen ... Ich schmeiße sie in meine Schublade, wo auch die andere Tafel Schokolade liegt.

Samstag, 24. März 2012

Sein faltiges, altes Gesicht spiegelt sich im Spiegel. Er schaut nicht auf, als ich ins Bad trete. Er wäscht sich die Hände, trocknet sie ab. Ich schlucke. "Opa, fährst du jetzt einkaufen?"
"Ja, wieso?" Er antwortet automatisch. In mir kriecht die Angst hoch.
"... darf ich mitfahren?", piepse ich.
Seine Wut kommt plötzlich. "Wieso willst du wieder mitfahren? Was willst du denn?!" In mir zieht sich was zusammen.
"Darf ich denn mitfahren ..?"
Und wieder. "WIESO? WAS WILLST DU DENN SCHON WIEDER ?!"  Meine Augen brennen und meine Nase kribbelt. Ich will meine Zerschlagenheit, meine Verletzlichkeit zum Ausdruck bringen.
"Okay, dann nicht ..." Ich renne aus dem Bad in mein Zimmer. Möglichst leise, damit das Miststück nichts mitbekommt. Dieses Haus ist so voller Leere. Voller Unverständnis. Warum hast du nicht einfach Nein gesagt?

Sonntag, 26. Februar 2012

Post an mich selbst.

Und dann erkannte ich: Sie sind intolerant und sehen in mir nur eine sture, freche, ... Person. Sie sehen nicht mich. Sie sehen die Gestalt, die sich in ihren Köpfen aus ihren selbsterdachten Antworten geformt hat.

Dienstag, 6. Dezember 2011

Das ist doch absurd ..

Sie tänzelte lachend zur Bushaltestelle. Erzählt, wie sie mit mir heute Nachmittag in die Stadt fährt. Wie sie sich freut, den Menschen um sie herum schon auf die Nerven geht.
    So haben die anderen Menschen es mir heute Morgen erzählt.
Es war ein schönes Gefühl, von jemanden gemocht zu werden. Dass sich jemand auf ein wenig Zeit mit dir freut.
    Ich liebe sie.
Auf den Weg zu ihr, gingen wir zur Bank. Meine EC Karte überprüfen. Magnet streifen war defekt.. Sie schicken mir jetzt eine neue zu.
Dann hat es angefangen zu regnen. Meine Haare wurden lockig, als sie bei ihr angekommen wieder trockneten.
Eine Stunde später fährt uns ihr Vater zur Stadtgalerie. Waren in Thalia. Hab dort das Jugendbuch-Regal gesucht. Es war wie in diesen einen Traum, den ich vor einiger Zeit hatte.
    Alles war umgestellt. Ich hastete durch die Buchhandlung. Irgendwann guck ich mich einfach nur noch verwirrt um, und weiß nicht wo ich bin. Die Schilder zeigen mir: Manga. Jugendbücher. Fantasy.
   Meine Gedanken: Was haben sie nur getan ...
Die besten Bücher fort. Ich stehe da wie hypnotisiert.
Und das geschah binnen zwei Sekunden. Dann nehme ich eine rasche Bewegung aus den Augenwinkel wahr, und das kam mir bekannt vor.
Ohne es zu merken, war ich neben ihr stehengeblieben. Sie hatte wohl gerade nach einem Buch für mich zu Weihnachten gesucht, und es schnell zurückgelegt, bevor ich es sah.
Ich hab es nicht gesehen. Ich war zu geschockt und verwirrt.
Dann widme ich mich dem Jugendbücher-Regal. Finde drei Bücher die in meiner Liste stehen. Auf den einem steht kein Preis.
Habe mich nach langer Verzweiflung für Bevor ich sterbe entschieden.