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Freitag, 24. August 2012

Realität und so ein Scheiß

Ich sitze im Bus, lese in meinem Buch. Ein Bleistift in der Hand zum unterstreichen, zum Zitate festhalten. Momenten Bedeutung geben.
Man denkt einfach, dass das immer so bleiben wird. Nie hält man in einem dieser Augenblicke inne und denkt: Bald ist das vorbei.
Links, auf der anderen Seite sitzt mein Bruder, guckt ein bisschen nervös hin und her. Am liebsten würde ich ihm jetzt sagen ich weiß wo wir aussteigen müssen, keine Sorge, aber ich senke meinen Blick einfach nur wieder ins Buch.
Eigentlich wollte ich heute alleine wegfahren, nach Hannover, heimlich. Stattdessen gibt mein Bruder auch noch um die zehn Euro aus, weil er mit will.
Ich drücke gerade noch rechtzeitig den Stopp-Knopf, bevor der Bus an unserem Ziel vorbeifahren kann. Ich werde mir nichts kaufen. Fünf Stunden rumlaufen.
Während wir so durch sämtliche Läden laufen, wird mir allmählich klar, wie viel Geld ich brauche. Wie viel ich vor habe. Wie pleite ich bin.
60 € für eine neue Digicam, weil meine schrottig ist.
40 € für neue Klamotten, weil meine aktuellen hässlich sind, und ich aus ihnen rauswachsen werde.
30 € fürs Sommerferienticket nächstes Jahr.
Undsoweiter. Scheiße, Nemo, du hast nur noch fünf Euro.
Und so bin ich weiter gelaufen, mit schmerzenden Füßen.

Fünf Stunden vorbei. Einfach so.
Ende des Tages.  Schuldgefühle, die unter der Oberfläche kratzen, und auszubrechen versuchen
Ich mal mir immer so viel Märchenscheiße aus, dass ich an der Relität ersticke.  Genau so fühlt es sich an. Mein Leben. Ich fühle so viele Dinge, und fühle sie doch nicht.
Ist das noch richtig? Ist Fallen und Ersticken und kaputt sein richtig?

Montag, 20. August 2012

brennende kunst.

Ich kaue auf meiner Unterlippe rum, mein Blick huscht zur Schranktür. Nein, lass das. Demonstrativ setze ich mich wieder vor mein Netbook. Check alles. Keine neuen Emails. Keine Benachrichtigungen. Das Video läd noch immer hoch ... obwohl, wahrscheinlich ist es irgendwie abgekackt, und das sieht nur so aus, als würde es noch hochladen. Dreck.
Wieder huscht mein Blick zum Schrank. Es wäre doch eigentlich nicht weiter Schlimm. Ein, zwei Kratzer mehr fallen nicht auf. Verdammt, reiß dich mal zusammen. Ich lege meinen Kopf auf die Tischplatte, und versuche die Kopfschmerzen zu verdrängen.
Haha. Ich Dreckskind. Ich hab das ja nicht verdient. Ich bin zu normal dafür.
Gott, wie ich mich hasse. Wie erbärmlich das alles ist. Wie neidisch ich bin, wie heftig Schuldgefühle ich habe, wie ich es hasse, alles. Hier und jetzt, alles, verdammt. Vergesst mich einfach mal, ich will niemanden wehtun oder nerven. NUTZLOS.

edit: Und schon sitz ich hier, drei brennende Striche an meiner Hüfte. Wunderbar symmetrisch. Hach, leben. Endlich. Verdammte scheiße.

Donnerstag, 12. Juli 2012

Das Wasser im Spülbecken ist nun kalt. Die Schaumbläschen schon längst verschwunden. Benommen ziehe ich meine Hände aus dem Wasser und trockne sie ab. Wie lange stand ich dort? Meine Gedanken sind völlig durcheinander ich bin verwirrt, völlig hilflos.
Heute Morgen bin ich mit Wadenkrämpfen aufgewacht.  Ich hatte um mich geschlagen, gewimmert, bin aus dem Bett gefallen und auf dem Rücken gelandet. Für einen Moment hatte ich keine Luft mehr bekommen.
Das Ziehen in meinem Bein erinnert mich auch jetzt, Stunden später noch an den Krampf. Auch dieser brennende Kratzer am Knöchel; wahrscheinlich hatte ich mich unbewusst gekratzt. Die Rückenschmerzen vom Aufprall aber sind schon verschwunden. Ich dreh mich um, nur ganz kurz. Blicke über die Schulter und dann auf meine Hände. Es war wie ein Schlag ins Gesicht. Wieder diese Tagträume, diese Einbildungen, dumme Gedanken. Ich hatte mich umgedreht, mich umgeguckt. Doch da war .. Nichts. Ein leeres, schreiendes Nichts. Mein Hirn malt sich wunderbar schmerzhafte Momente aus. Da, eben als ich über meine Schulter geguckt habe .. für einen Moment hatte ich das Gefühl, dass da jemand ist, der mich von hinten umarmen will, mich vor der Welt beschützen. Doch da ist natürlich niemand, ich bin heute den halben Tag alleine zu Hause. Allein sein - das liebe ich. Aber das hier fühlt sich ganz anders an. Ich sehne mich, verzehre mich nach Liebe. Gleichzeitig will ich das nicht. Beziehungen, Liebe, Gefühle - all das ist zu Viel für mich und doch verlange ich nach mehr. Oder nach wenigstens etwas. Nur ein kleines Bisschen. Keine Einsamkeit.
Da breche ich in Tränen aus, meine Finger krallen sich in meine Oberschenkel, ich sinke zu Boden und kauere da eine Ewigkeit herum. Ich bin so nutzlos, gestört, krank.
Ich kann nicht mehr diesen Tagträumen Wunschträumen Einbildungen standhalten. Sie sind zu viel für mich. Ich brauche jemanden, der mich da rausholt. Aber bin ich das überhaupt wert? Sowas wird nie passieren. Nächste Woche 'Einschulung'. Hunderte fremde Gesichter. Irgendwo dazwischen drei, vier, die ich von meiner alten Schule kenne. Doch ich werde in eine Klasse kommen, wo ich niemanden kenne. Andere Fachrichtung halt. Drecksleben. Ich will nicht, ich will das nicht. Ich sehe sie vor mir, diese Gesichter. Die mich als das sehen, was ich bin, aber nie sein wollte. Bitte, bitte lass da jemanden sein, der so ist wie ich. Jemand mit dem ich mich anfreunde, mit dem ich reden kann. Irgendjemand. Ich brauche Halt. Alleine schaffe ich das einfach nicht.

Dienstag, 10. Juli 2012

Mein Kopf platzt gleich. Szenen, Momente von diesem Abend wirbeln in meinem Kopf rum. Ich habe vergessen, wie ich sie ordnen kann. Da ist zu viel im meinem Kopf, ich kann nicht mehr.
Ich, wie ich auf der Decke liege. Um uns die Wiese, schlechte Musik. Wir sind nah am Fluss. Du neben mir, um uns unsere alte Klasse. Al, nicht meine beste Freundin, aber eine unersetzliche. Ich werde müde, und das ist es was mich wirr werden lässt.
Du beugst dich zu mir, und ein Bild taucht in meinem Kopf auf. Für einen Moment, nur eine winzige Sekunde lang glaube ich du küsst mich jetzt. Und das was mich erschreckt ist, dass ich es zugelassen hätte. - Aber du küsst mich natürlich nicht. Du hälst mir einen kleinen Cracker an die Lippen, und ohne nachzudenken öffne ich meine Lippen. Ich muss lächeln, als du mich so fütterst. Einer aus unserer Klasse starrt uns an, doch das stört uns nicht.Ich verfüttere ein Y-Cräcker an dich.
Der Tag vergeht schnell. Schon eine Ewigkeit liege ich auf der Decke, und du hast deinen Kopf auf meinen Bauch gebettet. Und weil ich nicht anders kann, sind meine Hände in deinen Haaren vergraben und spielen mit ihnen. Du guckt auf dein Handy und zwei Stunden sind vergangen.
Doch an diesem Tag warst du nicht die Einzigste, die mich Verwirrt, hat. Obwohl ich noch keinen Schluck getrunken habe, fühle ich mich aufgekratzt, ich lache. Aber wieso? Darüber muss ich schon so lange nachdenken. Ist es, weil ich mich in Bücher flüchte? Die wahre Welt hinter mir lasse, mich von Märchen und unmöglichen Erwartungen einweben lasse? Erwartungen, davon trage ich schon zu viele mit mir rum. Aber vielleicht dehydriere ich; denn ich habe nicht nur Alkohol gemieden, sonder jegliche Art von Flüssigkeit heute. Aber kann Flüssigkeitsmangel einen irre werden lassen? So fühle ich mich.

Mein Kätzchen, dich habe ich seit dem Tag, an dem du schon um fünfzehn Uhr weg musstest, nicht mehr gesehen. Du berührst meinen Arm und das genieße ich. Und weil meine Gedanken nicht mehr kontrollierbar und normal sind, wünschte ich, du würdest dich zu mir legen, dich an mich kuscheln und mich die Welt vergessen lassen. Doch du sagst nur, dass ich mitkommen soll. Hier gibt es keine Toiletten, und alleine pinkeln gehen - wer will das schon. Also gehe ich mit und will so schnell wie möglich wieder zu meiner Decke und mich dort hinlegen.
Doch da begegnet wir ihm. Scheiße verdammt. Ich bin nicht mehr ganz klar im Kopf. Ich weiß was jetzt kommt - er ist betrunken, und knuddelbedürftig. Richtig gefährlich, denn das liebe ich. Ich denke so oft an dich die letzte Zeit, und wünsche mir immer mehr wir wären beste wenigstens gute Freunde.
Du kommst auf uns zu und breitest deine Arme aus. Es schmerzt, so sehr brauche ich diese Umarmung. Es schmerzt, deswegen hebe ich so wie du meine Arme und lasse mich nur allzu bereitwillig von dir umarmen. Ich brauche das viel zu sehr. Es sind nur wenige Sekunden, die ich mit aller Macht festzuhalten versuche. Du bist nun größer als ich, du bist gewachsen, im Gegensatz zu mir. Deine Arme sind stärker, drücken mich an dich, und ich drücke klammere mich an dich. Ich will das genießen, doch habe ich verlernt wie das funktioniert. Irgendwie taumeln wir ein bisschen, aber ja du bist ja betrunken. Denn nüchtern umarmst du mich nie so. Überhaupt nicht. Ich inhaliere deinen Duft, ich lache, ich bin benebelt. »Wie viel hast du getrunken?« frage ich. Du nuschelst eine Antwort, doch die dringt gar nicht zu mir durch, weil sie mir egal ist.
Dieser viel zu kurze Moment, in dem so viel passieren zu sein scheint, zerplatzt und du löst dich aus der Umarmung. Du gehst, ich gehe.


Doch der Abend ist nicht vorbei. Als du mich das zweite mal diese Nacht in den Armen hälst, keuche ich auf. Du drückst mich so doll, dass ich  für einen Moment keine Luft bekomme. Du lachst, und ich stimme mit ein. »So zerbrechlich«, höre ich dich sagen. »Klein, schwabbelig und zerbrechlich.« Du scherzt nur, doch irgendwo trifft es mich.
»Ja, ich bin schwabbelig«, gebe ich lachend zu.
»Bestehst nur aus Schwabbel und Knochen. Und Haare.« Lachen. Du löst dich wieder aus der Umarmung. Und wieder gehen wir aneinander vorbei. Mir wird klar, dass ich dich wohl möglich das letzte Mal umarmen durfte, dich das letzte Mal sehen. Dich werde ich am meisten vermissen.
Es vergehen einige Sekunden, als ich meinem Kätzchen beichte: »Ich will ihn nochmal umarmen.« Und ich weiß ganz genau, dass sie mich in diesem Moment für verrückt hält. Doch das bin ich schon den ganzen Tag. Verrückt, irre, krank, neben der Spur. Ich träume von Küssen und Umarmungen, sehne mich nach Liebe, nach Wärme. Sogar mein Kätzchen will ich jetzt einfach in die Arme ziehen, Ihr Gesicht in die Hände nehmen und sie küssen. Scheiße verdammt, was geht in mir vor? Was passiert mit mir?
Ich glaube, ich bin zerstört.

Sonntag, 1. Juli 2012

Wintermädchen

Der Mond erhellt mein Zimmer. Der Ventilator saugt Strom aus der Steckdose und versorgt mich mit kühler Luft. Seufzend schlage ich die Decke zurück. Meine Finger berühren sanft meine Augenlider. Ich versuche diesen Moment zu genießen, zu bewahren. Aber sowas gelingt mir nie.
Schwankend stehe ich auf und gehe zum Schrank. Ich krame in der Schublade rum, bis ich die Glasscherben hörte: ein süßes Flüstern in der Nacht. Ohne weiter darüber nachzudenken ziehe ich meine Hose ein Stück runter. Die scharfe Spitze einer Scherbe bohrt sich in meine Hüfte, zieht ruckartig eine gerade Linie. Noch einmal ansetzen, Linien ziehen. Blut quillt aus den Schnittwunden. Meine Finger wischen es fort, ich lecke die warme Flüssigkeit von mir ab. Salzig, metallisch.
Warum?  Es wundert mich immer wieder, wie selbstlos ich das mache. Weder soll es Schmerz vertreiben noch ersetzen. Ich fühle nichts dabei.
Warum?  Zum Spaß. Mein Körper ist meine Leinwand.


"Früher war mein ganzer Körper meine Leinwand - brennende Schnitte, die wie Flammen an meinen Rippen leckten, Leitersprossen, die meine Arme emporkletterten, dicke Stängel von Unkraut, die um meine Schenkel wucherten.  
Eine Tochter, die vergisst wie man isst, war zwar schlimm, aber das war eben eine Phase. Aber eine Tochter die ihre Hauthülle öffnet, die ihren Panzer abwirft, damit sie tanzen kann? Das fand er schlicht und ergreifend krank." - Wintermädchen

Sonntag, 10. Juni 2012

I HATE U
Die Bank ist leer, pleite. Wir spielen seit einer Stunde Monopoly und keiner gewinnt oder verliert. Dann klingelt es an der Tür. Ka's Vater macht auf, mein Erziehungsberechtigter will mich abholen. Ich fange an meine Sachen zu packen. Dann klopft es. "Wenn du willst kannst du noch mit Mittagessen, ich würde dich dann hochbringen",  fragt Ka's Vater. Ich nicke und spiele weiter Monopoly.
Nach dem Mittagessen werde ich nach Hause gefahren. Ich bedanke mich und steige aus dem Auto, gehe um unser Haus rum. Ich zittere und mein Herz rast. Die Schlampe und mein Erziehungsberechtigter sitzen im Garten. "Bin wieder da", rufe ich.
"Ach, wirklich? Komm mal gleich her, wir wollen reden!" Ich setze mich zu ihnen.
"Was hast du Patrick gesagt?", fragt sie. Natürlich fragt sie das, was sollte sie sonst von mir wollen.
"Alles. Die ganze Situation hier." Ich gebe mir keine Mühe zu lügen. Der Streit bricht aus. Wir diskutieren, Wut lässt mich weinen, schreien. Wir müssen das jetzt selber hinkriegen! Es wird nicht mehr mit Patrick gesprochen! Wir sind eine Familie, wie halten jetzt zusammen! Bla bla bla. Was solls, mir bleibt noch meine Vertrauenslehrerin. Davon werden sie nichts mitbekommen. Ich spiele Engel, stimme einiges zu, lächle, obwohl ich das nicht will. Das Hauptthema wird verdrängt, dumme Dinge schleichen sich ein, Schleimereien und Träume.
"Ich hätte eine Bitte an dich. Würdest du im September meinen Brautschleier tragen?" Ich hasse es. Kurz vorher hatte sie mich gefragt ob ich das denn überhaupt erlauben würde, dass sie heiraten. Ganz ehrlich, NEIN. Würde ich nicht. Aber das habe ich nicht gesagt.
Ich nicke. Ich schleppe deinen dreckigen Schleier voller Verzweiflung und Angst hinter dir her, ich werde dich zu meiner Beerdigung begleiten. Hauptsache dir geht es gut, was will ich mehr?! Fick dich. Ach und danke für die fünf Euro, ich schätze das gilt als Schmerzensgeld?

Donnerstag, 24. Mai 2012

Sitze draußen in der Sonne, neben mir steht frisch gepresster Orangensaft. Ich kaue auf meiner Lippe herum, versuche aus der Matheaufgabe schlau zu werden. Der Wind spielt mit meinen Haaren, ein paar Vögel zwitschern ein Lied. Es ist perfektes Wetter, doch ich muss hier sitzen und für Mathe lernen. Pure Faulheit, ich war jeden Tag zu faul. Morgen schreiben wir Matheprüfung. Und jetzt fange ich an zu lernen. ICH HASSE MATHE.  Seit Stunden bin ich total hibbelig und nervös, und auch irgendwie genervt. Morgen schreiben wir die Matheprüfung, morgen fahre ich weg., geistert schon seit Stunden durch meinen Kopf, und irgendwie scheint meine Lunge nicht genug Luft zu bekommen. Ich werde diese Prüfung verhauen. Ich versuche mich über jede richtige Antwort zu freuen, die falschen tragen aber immer mehr zu meiner Demotivation bei. Suche Ablenkung, mache Essen, packe meine Tasche, häng die Wäsche auf.  Die Angst wird mich zerfressen.

Dienstag, 22. Mai 2012

Nervös spiele ich mit dem Bändchen meines Oberteils herum. Vor mir liegt der Wahlteil der Deutschabschlussprüfung. Ich bin fertig, jedoch plagt mich Angts etwas übersehen zu haben. Schließlich ist die Zeit um, ich bin so hibbelig, dass ich wahllos alles Essen was ich dabei habe in mich reinstopfe. Das werde ich später bereuen.
Schulschluss - ich laufe in der Stadt rum, meine Füße fühlen sich geschwollen an. Überall Blasen und blutige Hacken. Ich treffe ich meinen Bruder, er ist mit Idioten unterwegs. "Hey, was machst du denn hier, Schwesterherz?" begrüßt er mich, ich lächle und frage dasselbe zurück. Danach zu S, Plakate fertig machen, nach Hause,  E S S E N  .. Zeichnung einscannen für die Schule, .. ins Bett fallen lassen, Fenster auf. Die kühle Abendluft spüren. Gänsehaut bekommen. Den Puls in meinen geschwollenen Füßen spüren, und einschlafen.

Donnerstag, 10. Mai 2012


Viele können es sich vorstellen selber zu sterben. Denken über ihren Tod nach. Empfinden ihn als befreiend. Manche begehen vielleicht Suizid.
Aber es ist etwas völlig anderes, wenn jemand den wir in unser Herz geschlossen haben, vielleicht von dieser Welt gehen muss.

Mittwoch, 9. Mai 2012

Not

[x] fasten
[x] lesen
[x] Checkliste machen
[ ] spazieren gehen

Bin heute gefühlslos, alles prallt an mir ab, jeder Blick ist mir egal, jede Berührung unbedeutend. Kein Hunger, kein Durst. Angst. Stille. 55,1kg, 54,9kg. Noch sechzehn Tage. Kälte, Nässe, Regen. Schmerzen, plötzlich. Zu lange gesessen. Bewegung. Ablenkung. Gewonnen, Verloren? Ich will fallen, ich will fliegen. Ich verliere mich. Lese bis ich einschlafe. Träume von bösen Dingen. Von Menschen und unerreichter Perfektion. Ich bin nemo.

Freitag, 20. April 2012

Das Leben ist fallen. Ewiges fallen.

Ich sitze auf dem kalten Boden und reiße Blätter aus meinem Block. Aus den Blättern falte ich Origami Vögel. Die kann ich am besten, und ich liebe sie. Viele hängen von meiner Decke, diese hier werde ich auch dort hinhängen. Es sind Vögel die nicht fliegen können. Niemals, ihre Flügel sind nutzlos.
Die losen Blätter auf dem Boden vor mir tränken sich mit salzigen Tränen. Ich hasse sie, ich hasse sie, ich hasse sie. Ich versuche mich abzulenken. Ecken bis zur Mitte falten, umdrehen, und noch einmal...
Das Miststück kommt in mein Zimmer geplatzt. Sagt mir Dinge, setzt mich unter Druck, macht Stress. Dein Onkel ist da, er erlaubt dir nicht etwas zu bestellen und bei deiner Freundin zu übernachten; Gib mir mal die Nummer von ihr, wir rufen ihre Mutter jetzt an. Du hast die Nummer nicht? Na dann frag sie. Irgendwann heute werden wir sie wohl noch erreichen!; Kann ihre Mutter dich nicht abholen? Warum sollten wir dich hinfahren, du willst doch zu ihr, wir haben nichts damit zu tun. Denk mal an dein Opa, er ist alt, er kann dich doch nicht immer überall hinfahren. Und ich habe zwei Bandscheibenvorfälle, was willst du mir zumuten? Wieso sollte sie dich nicht abholen? Wir würden dich ja auch denselben Weg hinbringen.; Du darfst da nicht hin. Dein Onkel will das nicht und wir bringen dich nicht hin. Kannst du deiner Freundin schreiben. Ach ja, und sei nicht so faul und schreib mal Bewerbungen! Ja, ich weiß dass du nach den Sommerferien auf eine neue Schule gehst, aber du weißt ja wann du da weg bist! Also schreib. Ach halt doch die Klappe, du hast doch keine Ahnung, Kind! Ich höre mir das alles an, will Dinge erklären, hinterfragen aber das Miststück hört mir nicht zu. Vor einem Monat habe ich schon wegen Übernachten gefragt. Es war in Ordnung. Aber es muss nur mein Onkel kommen, der sich darüber aufregt und es mir verbieten will, obwohl er kein Recht dazu hat. Ein Tag. Ein Mensch. Eine Meinung. Und es zerstört alles. Sie meint, ich kenne sie doch nur aus den Internet, ich wüsste doch gar nicht wie ihre Familie drauf ist, was da so 'abgeht'. Aber ich weiß das, und ich muss sagen, das Miststück ist Gefährdung genug. Schlimmer kann kaum ein Mensch zu mir sein.
Am liebsten würde ich sie anschreien, ich weiß was ich tue! Ich weiß, dass ich bei dieser Familie tausendmal besser aufgehoben wäre als hier! Und mal so nebenbei, die Schule wird mir bei der Entscheidung helfen, ob ich Erzieherin oder Krankenschwester werden will. Dazu dient dieses Jahr. Eine Entscheidung treffen, also halts Maul, du verdammte Hure. Aber das kann ich ihr nicht sagen, sie lässt mich eh nie ausreden, und selbst wenn, ..sie würde auf mich losgehen, und die Chance, dass ich nach Düsseldorf darf würde noch mehr sinken. Ich bin hoffnungslos hier festgekettet, habe keine Chance mich loszureißen. Ich muss tun was sie sagt, sonst zerstört sie das Leben, das sie jeden Tag immer mehr besitzt. Zerstörung. Komplett.

Dienstag, 17. April 2012

Nach dem Sommerferien komme ich an eine neue Schule. Sie ist weiter weg, so ziemlich eine Stunde. Ich muss um 5:30 Uhr aufstehen, um 6:54 Uhr fährt der Bus. Ich werde niemanden kennen, muss mich zwischen fremden Menschen und einer fremden Schule zurechtfinden, und hoffen nicht gehasst zu werden. Das Opfer zu werden. Das ist das letzte, was ich gebrauchen kann. Nur Isabel werde ich kennen und in den Pausen sehen. Es ist so verdammt scheiße, dass sie eine andere Fachrichtung gewählt hat. Aber immerhin. Die Pausen.
Ich werde erst frühstens um 17:00 Uhr zu Hause sein, man wird mich abholen müssen. Oder ich fahre mit dem Bus mit bis zum Nachbarort, und von da an laufe ich ..? Vielleicht tut das ja gut. Aber ich werde nur ein Jahr an diese Schule gehen. Was sich wohl alles ändern wird? Was für Menschen ich kennen lernen werde? Wen ich hassen werde, wen ich lieben werde? Wie der Unterricht wird ..
Nur ein gutes hat das ganze, und zwar Ablenkung. Ich werde dort Mittag essen müssen, das heißt ich kann mir am Abend zuvor immer etwas selbst machen, oder morgens ein Sandwich. Ich werde nicht das vor Fett tropfende, eklige Mittagessen, welches es hier Zuhause gibt, mitessen müssen.
Soll ich mich freuen? Soll ich mich fürchten? Ich weiß es nicht. 


Liebste Grüße an meine little, mit der ich zusammen abnehme.♥

Donnerstag, 5. April 2012

Fuck this shit

Ich zucke zusammen, als ich das klappern an meiner Heizung höre. Mein Erziehungsberechtigter wartet schon unten, hat mich gerufen. "Kommst du mit einkaufen?" Ich sage ja.
Als wir wieder zurück sind, rieche ich Chemie. Sie hat den Flur gewischt. Und das Bad. Und die Küche. Ich vernehme ein Seufzen meines Erziehungsberechtigten. "Warum macht die das?!" fragt er sich selber. Ich fragte es mich auch. Zwei Bandscheibenvorfälle, und dennoch so stur, dass sie unbedingt wischen muss.

Wenig später bin ich auf meinem Zimmer. Die Tür steht einen Spalt offen, ich höre sie wieder meckern. Darüber, warum ich vorher nicht gewischt habe. Und vieles mehr. Mir ist das gleich, niemand kann sie zufrieden stimmen. Sie ist immer unzufrieden. Das einzige was ich fühle ist der Schmerz, wenn ich auf meine Unterlippe beiße, wenn ich meine Fingernägel in die Haut kralle, wenn ich Schorf abkratze, von Wunden die längst nicht verheilt sind ...
Ich überlege so zu tun, als wäre sie gar nicht da. Ich möchte bluten. Das ist wohl so, wenn ich mich einsam fühle.


Ich will Sommer. Ich will verliebt sein. Ich will den Wind in meinen Haaren spüren. Ich möchte nachts auf meiner Fensterbank sitzen. Ich möchte mich in Felder verlieren, dort bleiben bis die Sonne untergegangen ist. Ich möchte in die Stadt fahren, nur um ein Eis zu kaufen. Ich möchte mit Musik in den Ohren den Tag verschlafen. Ich möchte mit Unterwäsche einschlafen. Ich brauche jemanden der mir sagt, dass das Leben gar nicht so schlimm ist. Es ist als wär man an seinem eigenen Nordpol. Alles kalt, alles trist, alles gleich. Weiß und kalt. Niemand da, der dich auffängt, wenn du fällst, niemand der dich hört, wenn du schreist, niemand da, der erkennt wie es dir geht. Niemand in Reichweite. Mein Herz setzt einen Schlag aus. Vielleicht gibt es ja jemanden, irgendwo weiter weg, der auf mich wartet? Bumm, Bumm. Bumm, Bumm. Für wen schlägt dein Herz?

Montag, 2. April 2012

I'm tired of sleeping, tired of bleeding

Wache auf. Halb neun.
Wieder habe ich den Wecker überhört. Sage mir das ist egal. War bis halb drei wach. Habe an einem Bild gesessen.
Bleibe liegen. Lausche im Halbschlaf der Stille. Nach einer halben Stunde tut sich was. Ich stehe auf und gehe runter. Meine Augen fühlen sich schwer an, müde. Ich hab weniger als 7 Stunden geschlafen. Sage Guten Morgen!, will eine Cornflakesschüssel aus dem Schrank holen. Im Schrank sind keine mehr. In mir zuckt es, ich habe plötzlich Angst ein dummes Kommentar übers Abwaschen an den Kopf geworfen zu bekommen. Passiert nicht. Ich nehme mir eine Plastikschale und esse darin meine Zimtcornflakes.
Sie fahren einkaufen. Ich rufe hinterher: 'Könnt ihr mir gesalzene Sonnenblumenkerne mitbringen? Oder Sonnenblumenkernbrot?',  weil ich Sonnenblumenkerne liebe.
Dann sind sie weg, ich stehe auf und greife nach der schwarzen Flasche mit dem Zeug drin, womit sich mein Erziehungsberechtigter die Haare gefärbt hat. Ich schütte ein wenig auf ein Zewatuch und schmier es mir in die Spitzen meines Ponys.  Umwickle alles mit Alufolie. Stelle mich in Unterwäsche auf die Waage.
55,9 kg

Zum Mittag gibt es Eierkuchen mit Gehacktem. Fettige Eierkuchen. Fettiges Gehacktes. Mir wird schlecht als ich sie im Fett schwimmen sehe. Und als ich zwei Bissen nehme, möchte ich kotzen. Ich zwing mich ca. die Hälfte zu essen. Mir ist immer noch schlecht. 
Die Tür geht leise auf. Sie kommt herein und gibt mir eine Tafel Milka Schokolade mit Oreo-Keksstückchen. Ich möchte sie aufreißen, Stück für Stück abbeißen, den Geschmack genießen ... Ich schmeiße sie in meine Schublade, wo auch die andere Tafel Schokolade liegt.

Sonntag, 1. April 2012

Angst.
I want to fall.
Es ist egal wie gefährlich es ist.

Samstag, 24. März 2012

Sein faltiges, altes Gesicht spiegelt sich im Spiegel. Er schaut nicht auf, als ich ins Bad trete. Er wäscht sich die Hände, trocknet sie ab. Ich schlucke. "Opa, fährst du jetzt einkaufen?"
"Ja, wieso?" Er antwortet automatisch. In mir kriecht die Angst hoch.
"... darf ich mitfahren?", piepse ich.
Seine Wut kommt plötzlich. "Wieso willst du wieder mitfahren? Was willst du denn?!" In mir zieht sich was zusammen.
"Darf ich denn mitfahren ..?"
Und wieder. "WIESO? WAS WILLST DU DENN SCHON WIEDER ?!"  Meine Augen brennen und meine Nase kribbelt. Ich will meine Zerschlagenheit, meine Verletzlichkeit zum Ausdruck bringen.
"Okay, dann nicht ..." Ich renne aus dem Bad in mein Zimmer. Möglichst leise, damit das Miststück nichts mitbekommt. Dieses Haus ist so voller Leere. Voller Unverständnis. Warum hast du nicht einfach Nein gesagt?

Sonntag, 26. Februar 2012

Post an mich selbst.

Und dann erkannte ich: Sie sind intolerant und sehen in mir nur eine sture, freche, ... Person. Sie sehen nicht mich. Sie sehen die Gestalt, die sich in ihren Köpfen aus ihren selbsterdachten Antworten geformt hat.

Donnerstag, 9. Februar 2012

Alkoholgestank.

Heute ist ein verschneiter ein trister ein scheiß Donnerstag.
Schule war in Ordnung, ich bin froh in Mathe nahezu alles zu verstehen. Ich hoffe ich schreib Montag eine Zwei in der Arbeit.
Nach der Schule, als ich Zuhause ankam, war nur mein Bruder da. Mein Erziehungsberechtigter und das Miststück haben unseren Besuch zum Bahnhof gebracht. Mein Bruder hat uns so Raviolis aus der Dose aufgewärmt.
Hab dann im Wohnzimmer Hausaufgaben gemacht. Ich liebe unser Wohnzimmer, wenn niemand anwesend ist. So schön ruhig. Dann hab ich Scrubs geguckt, bis sie wiederkamen. Bin in mein Zimmer geflüchtet. Sie war betrunken. Natürlich. Selbstverständlich. Irgendwann  kam sie dann auch rein und hat mich mit ihrer Alkoholfahne zugelabert, und wollte dass ich ihre Entschuldigung annehme. Sie hat mich gestern am Kragen gepackt und sowas. Aggressivität. Hab sie nicht angenommen. Hab ihr auch gesagt wieso. Dass es keinen Sinn hätte, weil sie ja eh immer wieder so reagiert. Sie wollte reden. Hab wieder abgelehnt. Bringt nichts, da kommt nur Scheiße bei raus. Wenn ihr etwas nicht passt, dann heißt es ich diskutiere wieder. Und das gefällt ihr dann wohl nicht so.   ...   Irgendwann ist sie dann auch aus meinem Zimmer gegangen. Ich will sie nicht mehr hier haben.
Nach einer Stunde bin ich mit meinem Erzeihungsberechtigten in die Stadt gefahren, unterwegs haben wir uns über sie unterhalten. Was uns alles an ihr aufregt, was ihre Fehler sind. Und er hat mir erzählt, dass er ihr jetzt ein Ultimatum gestellt hat. Auch ihm reicht es jetzt.
Es macht Spaß wenn mein Erziehungsberechtigter und ich uns so gut verstehen. Er ist ein guter Mensch.
Später ist sie dann wieder rüber zum Alkoholikernachbarn. Mein Erziehungsberechtigter hat ihr gesagt sie sollte da nicht hin, er will das nicht mehr; ist schon klar wieso. Sie ist trotzdem rüber. Er tut mir leid. Er hat geweint. Er hält das nicht aus, was sie mit uns macht. Mit ihm.