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Donnerstag, 26. Juli 2012

Der Wecker zeigt mir an, dass ich verschlafen habe. 9:35 Uhr. Eigentlich wollte ich früher aufstehen. Wie hatte ich überhaupt so lange schlafen können? Es ist so verdammt stickig in meinem Zimmer, dass mein eigener Schweiß an mir haftet, meine Haare kleben mir im Nacken und Stirn. Und das, obwohl ich nichts als Unterwäsche anhabe, und nicht einmal zugedeckt bin.
Seufzend stehe ich auf, mach mein Netbook an und gehe runter. Ich schiebe zwei Brötchen in den Backofen. Eins für mich, eins für meinem Bruder.
Sport kann ich jetzt eh vergessen. Packen ist angesagt, und duschen und rasieren. Gegen Mittag werde ich nach Hannover fahren, und dort meinen halben Tag verbringen. Ein Teil von mir freut sich darauf. Ein anderer, verschlafener, hat keine Lust sich jetzt den Stress anzutun.
Ich betrete das Bad, sehe dass die Waschmaschine an war. Das kleine Lämpchen neben "Ende" blinkt.
Ich hänge die Wäsche draußen auf. Heute wird es mal wieder zu warm für meinen Geschmack. Viel lieber habe ich mildes Wetter. Wenn die Sonne scheint, nicht explodiert. Ein sanfter Wind, der durch die Blätter weht und einige hinunterreißt. Herbst. ich vermisse den Herbst. Das Geräusch der vertrockneten Blätter. Den Geruch.
Aber ich wollte ja unbedingt Sommer, und jetzt ist er da. Sommer, bitte komm, dann kommt auch bald der Herbst.
Wenn ich nachher vom shoppen in Hannover wieder komme, werde ich meine restlichen Sachen einpacken. Und morgen früh werde ich aufstehen, mir in Ruhe einen großen Becher Joghurt nehmen und ihn genießen. Dann wird jemand an meine Tür klopfen und fragen »Fertig? Können wir jetzt losfahren?«, und ich werde mich ins Auto setzen, den Blick auf die Uhr um auszurechnen wann ich ankommen werde.
Eine Woche fort aus diesem Kaff, hinein in ein anderes, zu einer meiner besten Freunde. Weg von diesem Leben.

Freitag, 6. Juli 2012

Ich fühle mich leichter, unabhängiger, wie ich hier eingekauert wie ein Embryo in Unterwäsche auf meinem Bett sitze. Ich mache mich so klein wie möglich. Beantworte Fragen auf ask.fm und er liked die Hälfte. In diesen Moment fühle ich mich wohl. Auch wenn alles so scheiße ist im Moment.
Wenig später schalte ich mein Netbook aus und dämmere, noch immer in Embryohaltung, weg.
Und heute bin ich aufgewacht, Augen auf gemacht, Sonnenstrahlen im Gesicht - halte die Welt an und bin auf und davon! Ich gehe dir dir entgegen, muss lächeln noch bevor ich dein Gesicht erkenne. Deine Arme hinterm Rücken verschränkt, schätze ich, gehst du schneller auf mich zu. Du hörst mein Lachen und erwiderst es. Am liebsten würde ich auf dich zu rennen, dir in die Arme springen. Doch die Flip Flops, die sich zwischen meine Zehen bohren, mein Hüften, meine Rippen die schmerzen, und auch du halten mich zurück. Noch ein Schritt. Ich will dich in die Arme nehmen, dich hochheben und mit dir im Kreis drehen, dein Lachen noch einmal hören. Doch da bleibst du stehen, nimmst deine Arme vom Rücken und hälst mir ein winziges Sträusschen wilder Blumen entgegen. Mir entfährt ein seltsamer Laut, dann lache ich. Halte mir die Blümchen an die Nase, doch rieche nichts. Ein »Danke« entfährt mir, dann nehme ich dich einfach in den Arm, schon ganz vergessen, was ich vorhatte.
Sie bleibt bei mir, reden über belanglose Dinge. Die Hitze der Straße verbrennt mir die nackten Füße, und so rennen wir zu mir. Es tut gut, dich spontan mit zu mir zu nehmen. Du rettest meinen Tag ein wenig, und dafür bin ich dir dankbar.
Es ist erst fünfzehn Uhr, als du abgeholt wirst. Da ich nichts weiter vorhabe, gehe ich raus. Gehe einmal ums Dorf und sehe den Kirschbaum am Dorfrand. Ich pflücke mir drei Kirschen, die in meinen Mund zerplatzen. Kaum bin ich zu Hause, nehme ich mir eine tiefe Schüssel, verlasse das Dorf wieder um Kirschen zu pfücken. Illegal ist es nicht, die Bäume gehören niemanden. ich klettere auf Bäume, ziehe Äste zu mir herunter um besser an die Kirschen zu kommen. Sie wollen mich zu ihnen hinaufschleudern, sie wollen mich mitreißen. Und in diesen Moment fühle ich mich seltsam leicht. Eine Weile sitze ich in einer ungemütlichen Position einfach nur auf dem Baum und beobachte die Felder um mich herum. Etwas weiter hinten sehe ich die dunklen Wolken am Himmel, die schwache Schatten auf ein Rapsfeld werfen.
Ich kehre mit voller Schüssel zurück, und fühle mich als hätte ich seit Wochen endlich mal wieder etwas nützliches getan. Meine Hände aufgeschürft, meine Baumwollhose voller kleiner Kügelchen die an ihr haften, Wunden die sich anfühlen, als wären sie aufgerissen.
Da passierte es. Ich erinnerte mich plötzlich an diesen Moment mit dir. Schon wieder, ein Moment mindestens drei Jahre her, als wir noch zusammen waren.  Es war Winter, wir saßen uns gegenüber auf dem Boden. Ich lehnte halb gegen der Wand, unsere Füße berührten sich. Wir beide weinten. Dann plötzlich zogst du meine Hand zu dir, und für einen absurden Moment hoffte ich, du würdest mich in deine Arme ziehen. Doch du hast nur auf die kleinen Kratzer auf meiner Hand gestarrt, mich gefragt wo die herkommen. Anstatt dir eine Antwort zu geben, brach ich in einen Heulkrampf aus. Enttäuschung spiegelte sich in deinem Gesicht.
»Versprich mir, dass du das nie wieder tust«, hattest du von mir gefordert. Meine Gedanken riefen Ach, und du darfst das?! Doch ich gab dir sofort mein Versprechen, ich liebte dich. Dann schlossen sich deine Arme um mich. Und ich wünschte, ich hätte dieses Versprechen nie jemanden gegeben, weder meinen Freunden noch dir. Denn ich brach es oft genug.

Sonntag, 17. Juni 2012

Zimt und Vanille versüßen die Luft in meinem Zimmer. Ich nippe an der 1,5 L Flasche und denke nach, Draußen scheint die Sonne, doch weiter hinten am Himmel bahnen sich kälteverkündene Wolken an. Ich stehe auf und schlurfe aus den Zimmer in die Küche. Kartoffeln, Rotkohl und Braten in Soße stehen auf dem Herd. "Willst du dir dann Fischstäbchen machen?", fragt mein Erziehungsberechtigter mich, er weiß dass ich gerade 'eine vegetarische Phase habe'. Mir gefällt die Frage nicht. Auch sie schaut mich fragend an, beide warten auf meine Antwort. Das nervt mich. Gestern habe ich ihr noch gesagt, ich mache mir keine Fischstäbchen, ich hebe mir den Hunger für die leckere gezwungene Pizza abends auf. Hat sie das vergessen? Gestern hat sie das doch akzeptiert! "Nein, ich muss mir nicht extra Fischstäbchen machen ..", murmele ich, und hoffe sie antworten nichts. Es heißt doch sonst immer ich würde 'Extrawurst' bekommen, doch nun schlage ich sie aus, ich brauche nichts extra. 
Ihre unberhörbare Stimme hallt durch den Raum: "Du musst doch irgendwas essen! Das bisschen Gemüse..! In Fleisch steckt Eisen, .." Bla, bla, bla. Ich werde schon nicht sterben, halt dein Maul. Ich verlasse die Küche und gehe wieder in mein Zimmer. Esse ein Stück Schokolade, zwei, drei. Suche meinen Vollmilchschokoladenriegel, finde ihn nicht und klemme mir ausversehen die Finger zwischen meinen Schranktüren. Ich setze die Wasserflasche an, und sage mir es ist gut so, dass ich den Riegel nicht finden kann. Habe ihn letztens bestimmt meinem Bruder gegeben ... Ich will von dieser Familie weg. Ich werde vielleicht das eine Jahr noch überstehen, und dann ziehe ich aus. Ich werde meine eigenes Leben führen. Ich werde leben.


Dienstag, 22. Mai 2012

Nervös spiele ich mit dem Bändchen meines Oberteils herum. Vor mir liegt der Wahlteil der Deutschabschlussprüfung. Ich bin fertig, jedoch plagt mich Angts etwas übersehen zu haben. Schließlich ist die Zeit um, ich bin so hibbelig, dass ich wahllos alles Essen was ich dabei habe in mich reinstopfe. Das werde ich später bereuen.
Schulschluss - ich laufe in der Stadt rum, meine Füße fühlen sich geschwollen an. Überall Blasen und blutige Hacken. Ich treffe ich meinen Bruder, er ist mit Idioten unterwegs. "Hey, was machst du denn hier, Schwesterherz?" begrüßt er mich, ich lächle und frage dasselbe zurück. Danach zu S, Plakate fertig machen, nach Hause,  E S S E N  .. Zeichnung einscannen für die Schule, .. ins Bett fallen lassen, Fenster auf. Die kühle Abendluft spüren. Gänsehaut bekommen. Den Puls in meinen geschwollenen Füßen spüren, und einschlafen.

Mittwoch, 9. Mai 2012

Not

[x] fasten
[x] lesen
[x] Checkliste machen
[ ] spazieren gehen

Bin heute gefühlslos, alles prallt an mir ab, jeder Blick ist mir egal, jede Berührung unbedeutend. Kein Hunger, kein Durst. Angst. Stille. 55,1kg, 54,9kg. Noch sechzehn Tage. Kälte, Nässe, Regen. Schmerzen, plötzlich. Zu lange gesessen. Bewegung. Ablenkung. Gewonnen, Verloren? Ich will fallen, ich will fliegen. Ich verliere mich. Lese bis ich einschlafe. Träume von bösen Dingen. Von Menschen und unerreichter Perfektion. Ich bin nemo.

Mittwoch, 18. April 2012

You're a fucking LIAR

Der Lehrer nimmt mich dran. Ich beginne vorzulesen.
Lüge: eine grobe, faustdicke, glatte, niederträchtige, gemeine, raffinierte Lüge; sich eine Lüge ausdenken; Lügen erfinden, jemandem haarsträubende Lügen auftischen; jemanden der Lüge bezichtigen; er verstrickte sich immer mehr in Lügen. Sprichwörter: Lügen haben kurze Beine (es lohnt sich nicht, zu lügen; die Wahrheit kommt oft rasch zu Tage); Lüge vergeht, Wahrheit besteht.
Während die nächste Definition vorgelesen wird, schreibe ich die, die ich vorgelesen habe, auf ein abgerissenes Stück Papier.
Zuhause angekommen erwarte ich schon fast, dass irgendwas nicht stimmt. Mein Erziehungsberechtigter kommt die Treppe runter und rührt die kochenden Nudeln auf dem Herd um. Ich frage mich, ob er mir jetzt wieder einen Teller rausholt, das Essen daraufmacht und ihn mir gibt. Ich überlege schon was ich sage. Hey, ich kann mir auch selber Essen auftun, zum Beispiel. Dann höre ich wie das Miststück aus ihrem Zimmer schwankt, ich runzle die Stirn. Sie fällt fast die Treppe runter, meckert vor sich hin, für mich würde sie nicht nach Düsseldorf. Düsseldorf. Düsseldorf. Sie geht ins Wohnzimmer, meckert meinen Erziehungsberechtigten an, schmeißt die Süßigkeiten aus der Schüssel durch den ganzen Raum. Geht wieder in ihr Zimmer. Drehe mich zu meinem Erziehungsberechtigten, frage War sie drüben? Er nickt. Klasse. Super. Toll. Sie war drüben, bei unserem Alkoholikernachbarn und hat sich das Hirn dumm gesoffen. Ich nehme mir von der Rindfleischsuppe und gebe ein paar Nudeln rein. Sie kommt wieder runter, meckert und beschuldigt und lügt. Ich kriege alles, ich bin die, die verwöhnt wird, aber sie und mein Bruder würden nie etwas bekommen. Ja, natürlich, das ist 100%ig so. Ich bin die, die mit allem beladen wird, was ich brauche, was ich will. Sobald ich schnippse, lasst ihr alles zu Boden fallen und ich bekomme, wonach ich verlange. Logisch, so gehts ab. Als ob. Wer von uns brauch denn nur zu sagen 'Bring mal Weintrauben mit' Oder Zigarette, Hülsen, Gummibärchen, Zwiebelringe, Bananen, Alkohol. Ich? Nein, ganz sicher nicht. Wenn ich spontan sage 'Bring mir mal Erdbeeren mit' oder Chips oder Früchtsäfte, oder sonst was, würde mein Erziehungsberechtigter mir den Vogel zeigen und sagen ich hätte ja selber Geld.
In Gedanken werfe ich ihr Schimpfwörter zu und sowas wie steig von deinem hohen Ross runter. Sie labert mich zu, Alkoholgestank. Ich nehme mir meine Schüssel und will rüber gehen. Sie stellt sich mir in den Weg, reißt mir die Schüssel aus den Händen und knallt sie auf den Tisch. Du bleibst hier! Du gehst nicht ins Wohnzimmer, der Tisch und die Stühle stehen da nur zur Dekoration, das soll einen guten Eindruck machen, weil jeder denken soll, wir sind eine Familie! Aber das sind wir ja nicht, oder? brüllt sie. Wir und eine Familie? Nie im Leben. Sie hat diese Familie doch kaputt gemacht, sie zerstört alles, und schiebt es dann auf uns.
ICH HASSE SIE.
Um 15:00 Uhr bin ich mit einer Freundin in die Stadt, ich muss von dieser psychisch Gestörten einfach weg. Wir fragen in vielen Läden nach, ob sie noch jemanden für den Zukunftstag annehmen würden. Alle sagen nein, nur bei der Schneiderei bekomme ich ein ja. Immerhin. Wir gehen einkaufen, nehme mir drei 500g-Naturjoghurts, für nächste Woche. Eine neue Packung Knäckebrot, eine Tüte saure Stäbchen und eine Tüte Tortilla Chips. Alles vorrätig. Meine Schublade quillt jetzt schon über ...
Al schenkt mir einen Keks. Wir rufen ihren Dad an, lassen uns abholen und ich bin bereits um 17 Uhr Zuhause. Der halbe Tag ist gerettet.

ein großes ♥ an meine Little

Donnerstag, 12. April 2012

Heute war erster Schultag. Ich habe nichts vermisst, bis auf die Ablenkung. Matheformeln vergessen. Politikthema vergessen. Schreiben ungewohnt. Sport ist ausgefallen. Positiv.
Pause. Blaubeeren. Neben mir belegte Brötchen, ich widerstehe. Trinke Wasser. Hätte ich doch nur nicht mein Geld vergessen! Lesen Texte über Brötchen. Rosinenbrötchen. Bekomme mit wann Muttertag ist, schreibe es mir auf die Hand. Sinnloses Gekritzel. Schreibe die Prüfungstermine darunter. Mathe fällt auf den Tag, an dem ich zu Lyle fahre.


Drücke auf die Klingel, die Tür öffnet sich. Al  bittet mich herein. Ich ziehe mir die Schuhe aus, lache gespielt unbeschwert. Va ist bei ihr, ich sehe sie zum ersten Mal. Muss lächeln, immer. Bei Fremden kicher ich, ich kicher. Kicher Kicher Kicher. Es nervt mich, und ich werde rot. Ich lache, lächle, kicher. Versuch mein Lachen zu verbergen. Ich werde rot. Ich hasse es.
Aber das legt sich wieder. Wir machen Fotos, viele Fotos. Irgendwann kann ich lachen. Nicht gespielt, echt Lachen.
Wir sind fertig, gehen zum Haus zurück. Matsch, dreckige Schuhe, dumme Gespräche und Schweigen, als ich nicht mitreden konnte. Nein, ich wurde nie von meinen Eltern geschlagen.
Vanillepudding, nur wenig. ich liebe Vanillepudding. Erdbeeren wären jetzt nicht schlecht. Mehr sinnfreies Gelaber. Beleidigungen, die nicht böse gemeint waren, jedoch wehtun. Endlich werde ich abgeholt.

Die Berge in meiner Schublade häufen sich. Yogurette. Duplo. Oreo-Milka. Schokoeier. Eine Tüte Weingummi. Eine Tüte Gummibärchen. Wann die Schublade wohl leer sein wird?
Gute Nacht.

Dienstag, 10. April 2012

Ich gehe. Renne. Laufe. Habe mir vorgenommen heute zu fasten, weil sie wieder weg sind.
Jetzt jogge ich in die Stadt. Einige Autos fahren an mir vorbei, beglotzen mich. Ich beobachte schon lange nicht mehr, weil ich selbst nicht beobachtet werden will. Ignoriere Blicke. Ich gehe zu Rewe. Blaubeeren, Knäckebrot, Hüttenkäse, Haferflocken und Rosinen. Perfektes Frühstück. Jogge wieder zurück, der Wind wird stärker, kälter. Lässt meine Augen tränen. Irgendwann bin ich wieder Zuhause. Mein Zwillingsbruder erwartet mich, fragt wo ich war. Erkläre.
Fast zwei Stunden ununterbrochen bewegt. Mein Magen knurrt. Nehme mir fünf Rosinen, lege Wäsche zusammen, mache mir Zitronentee, Fege das ganze Haus durch. Ich schwanke ein wenig.
Bin zufrieden mit mir.

[continue]
Minka ist so unruhig. Sie will nichts mehr essen, sie will nur noch raus. Sie hastet hin und her, beschnüffelt alles, will sich verstecken. Und das nur, weil der Hund hier war. Ich nehme mein Kätzchen mit in mein Zimmer, damit sie sich beruhigen kann.

Freitag, 6. April 2012

Ich liege zusammengerollt auf dem kalten Boden. Reiße die knirschende Verpackung vom Osterhasen aus Schokolade und beiße ihm die Ohren ab. Kein Sonnenstrahl stiehlt sich durch mein Fenster, kein einziger.
Heute Morgen wollten sie eigentlich wegfahren, mal wieder, doch sie wollte dann doch nicht. Nach dem Mittagessen waren sie plötzlich doch weg.
Ich drehe mich auf den Rücken und beobachte das Muster meiner Zimmerdecke. Weiß. Hier und da noch Spinnennetzüberreste. Vielleicht sollte ich sie mal wegmachen. Der Fernseher dröhnt, ich höre die Werbung. Ich bin allein, so gut wie allein. Das Haus steht leer. Es fühlt sich leicht an. Befreiend.
Irgendwann vergesse ich das.
Mir fehlt die Ablenkung Morgens und Mittags. Mir fehlen die Worte, von fremden Erwachsenen, die durch den Raum hallen. K fehlt mir. Ich brauch wieder Schule.

Dienstag, 3. April 2012

Lehne mich zurück und schaue TV. Setze die Flasche an und trinke. Wasser ist eklig, aber kalorienarm. Trinke und trinke. Bis die Flasche leer ist.
An der Tür klopft es. Mein Erziehungsberechtigter kommt rein, reicht mir einen Teller voller Süßen Kalorienbomben. Erdbeerkuchen und anderes Gebäck mit Zuckerguss. Er geht wieder. Das Gebäck sieht so lecker aus, dass ich es verschlingen möchte. Gleichzeitig frage ich mich was der ganze Mist soll. Ich bekomme immer mehr das Gefühl, dass sie mir extra viel/fettiges Essen geben.

Später schlurfe ich mit dem Teller runter. Die Erdbeeren habe ich runtergepult und gegessen. Ich gehe Richtung Bad, stopfe das Essen in mich rein, zerkaue es und spuck es in die Toilettenschüssel.
Bin mir nicht sicher, ob sie noch über mich herzieht. Momentan schleimt sie. Und ich weiß nicht wieso, aber so finde ich das alles einfacher.

Freitag, 30. März 2012

Morgen fahren sie weg. Sie fahren nach Holland, dort kaufen sie Kaffee und Süßigkeiten und Knabbereien und außerdem Drogen. Das macht sie im Grunde heimlich, aber zumindest mein Erziehungsberechtigter und ich wissen, dass sie es sich holt. Gestört.
Ich werde möglichst spät aufstehen. Vielleicht zu spät. Es wird ein trüber Samstag sein. Allein, nur mein Zwillingsbruder ist noch mit im Haus. Aber er wird die ganze Zeit in seinem Zimmer sein. Der perfekte Samstag. Für diesen Tag habe ich mir vorgenommen zu hungern. Ich werde höchstens morgens etwas essen, damit ich nicht zusammenbreche. Den Rest des Tages trinke ich Tee und Wasser. Mittags und Abends, wenn wir den schon fertigen Salat und die Frikadellen essen sollen, bringe ich meinem Bruder das Essen hoch, damit niemand im Weg ist. Ich werde den Teller bis zum Rand beladen mit dem ganzen fetten, ̶l̶̶e̶̶c̶̶k̶̶e̶̶r̶̶e̶̶n̶ ekligen Essen. Dann werde ich mit meiner Wasserflasche und dem Teller ins Bad gehen, mich verbarrikadieren, mich neben die Kloschüssel hocken und essen. Ich werde mir Bissen für Bissen in den Mund stopfen, gut durchkauen, kauen, kauen, kauen, bis das Essen in meinem Mund nur noch matschige Masse ist. Und dann werde ich die matschige Masse ins Klo spucken. Und das werde ich mit allem machen, was auf meinem Teller liegt. Am Ende den Mund ausspülen mit Wasser.
my experiment

Samstag, 17. März 2012

Sie braucht Stoff zum pesten.

Egal was sie bei mir sieht, was sie von mir hört, was ich tue, was ich nicht tue, was ich trage, oder was ich ihr erzähle. Über alles kann sie pesten, und sei es das banalste.  
Sie: "Das ist doch nicht normal mit den beiden unterschiedlichen Schuhen, so läuft doch niemand rum! Kauft sie sich extra zwei Schuhe dafür."
Er: "Ne, ihre Freundin hat sich die einen gekauft, und sie die anderen. Und dann haben sie den einen jeweils getauscht."
Sie: "Ja trotzdem! Als würde ihre Freundin damit rumlaufen; ich hab noch nie jemanden gesehen mit verschiedenen Schuhen. So laufen vielleicht die in Hollywood rum. Daher hat sie das bestimmt auch. Hat sie einmal wo gesehen, muss sie gleich nachmachen. Oder wie sie neulich ankam >*Stimme nachäff* Ich hab ne zwei geschrieben< , sie soll mal von ihren hohen Ross runter!"
        Hahhahahaaa, ist klar & so. 1. Das mit den unterschiedlich farbigen Schuhen war nicht mal meine Idee. Alex hatte mich darauf angesprochen und ich fand sie gut, und wir haben uns halt beide welche gekauft & getauscht. In Hollywood hab ich niemanden so rumrennen sehen, aber ich kenn schon einige die das so machen. Außerdem, du Miststück, du meintest doch selbst wär ja nicht schlecht, mach ich vielleicht auch mal, oder? & Vor ein paar Wochen habt ihr euch noch gefragt warum ich euch meine Noten nicht mehr sage. Tja, jetzt hab ichs mal und ihr seit immer noch nicht zufrieden oder was? Steig selbst von deinem hohen Ross runter!
Du kannst mich mal. Du suchst nach Lästerstoff, pickst jedes Wort einzeln herraus, verdrehst sie vielleicht noch ein wenig, ein bisschen Drama, ein bisschen frecher Unterton: Tadaa! Und schon kannste ablästern. Miststück.  Schlampe. Hurentochter. Junkie, Alki, Missgeficke.  Fahr einfach zur Hölle, so wie du es mir auch schon geraten hast.

Aber Erziehung bedeutet, auf ein eigenverantwortliches Leben in der Gesellschaft vorzubereiten - nicht halbwüchsige Kinder abzuschotten, als seien sie noch im Kindergartenalter. 

Donnerstag, 9. Februar 2012

Alkoholgestank.

Heute ist ein verschneiter ein trister ein scheiß Donnerstag.
Schule war in Ordnung, ich bin froh in Mathe nahezu alles zu verstehen. Ich hoffe ich schreib Montag eine Zwei in der Arbeit.
Nach der Schule, als ich Zuhause ankam, war nur mein Bruder da. Mein Erziehungsberechtigter und das Miststück haben unseren Besuch zum Bahnhof gebracht. Mein Bruder hat uns so Raviolis aus der Dose aufgewärmt.
Hab dann im Wohnzimmer Hausaufgaben gemacht. Ich liebe unser Wohnzimmer, wenn niemand anwesend ist. So schön ruhig. Dann hab ich Scrubs geguckt, bis sie wiederkamen. Bin in mein Zimmer geflüchtet. Sie war betrunken. Natürlich. Selbstverständlich. Irgendwann  kam sie dann auch rein und hat mich mit ihrer Alkoholfahne zugelabert, und wollte dass ich ihre Entschuldigung annehme. Sie hat mich gestern am Kragen gepackt und sowas. Aggressivität. Hab sie nicht angenommen. Hab ihr auch gesagt wieso. Dass es keinen Sinn hätte, weil sie ja eh immer wieder so reagiert. Sie wollte reden. Hab wieder abgelehnt. Bringt nichts, da kommt nur Scheiße bei raus. Wenn ihr etwas nicht passt, dann heißt es ich diskutiere wieder. Und das gefällt ihr dann wohl nicht so.   ...   Irgendwann ist sie dann auch aus meinem Zimmer gegangen. Ich will sie nicht mehr hier haben.
Nach einer Stunde bin ich mit meinem Erzeihungsberechtigten in die Stadt gefahren, unterwegs haben wir uns über sie unterhalten. Was uns alles an ihr aufregt, was ihre Fehler sind. Und er hat mir erzählt, dass er ihr jetzt ein Ultimatum gestellt hat. Auch ihm reicht es jetzt.
Es macht Spaß wenn mein Erziehungsberechtigter und ich uns so gut verstehen. Er ist ein guter Mensch.
Später ist sie dann wieder rüber zum Alkoholikernachbarn. Mein Erziehungsberechtigter hat ihr gesagt sie sollte da nicht hin, er will das nicht mehr; ist schon klar wieso. Sie ist trotzdem rüber. Er tut mir leid. Er hat geweint. Er hält das nicht aus, was sie mit uns macht. Mit ihm.

Dienstag, 6. Dezember 2011

Das ist doch absurd ..

Sie tänzelte lachend zur Bushaltestelle. Erzählt, wie sie mit mir heute Nachmittag in die Stadt fährt. Wie sie sich freut, den Menschen um sie herum schon auf die Nerven geht.
    So haben die anderen Menschen es mir heute Morgen erzählt.
Es war ein schönes Gefühl, von jemanden gemocht zu werden. Dass sich jemand auf ein wenig Zeit mit dir freut.
    Ich liebe sie.
Auf den Weg zu ihr, gingen wir zur Bank. Meine EC Karte überprüfen. Magnet streifen war defekt.. Sie schicken mir jetzt eine neue zu.
Dann hat es angefangen zu regnen. Meine Haare wurden lockig, als sie bei ihr angekommen wieder trockneten.
Eine Stunde später fährt uns ihr Vater zur Stadtgalerie. Waren in Thalia. Hab dort das Jugendbuch-Regal gesucht. Es war wie in diesen einen Traum, den ich vor einiger Zeit hatte.
    Alles war umgestellt. Ich hastete durch die Buchhandlung. Irgendwann guck ich mich einfach nur noch verwirrt um, und weiß nicht wo ich bin. Die Schilder zeigen mir: Manga. Jugendbücher. Fantasy.
   Meine Gedanken: Was haben sie nur getan ...
Die besten Bücher fort. Ich stehe da wie hypnotisiert.
Und das geschah binnen zwei Sekunden. Dann nehme ich eine rasche Bewegung aus den Augenwinkel wahr, und das kam mir bekannt vor.
Ohne es zu merken, war ich neben ihr stehengeblieben. Sie hatte wohl gerade nach einem Buch für mich zu Weihnachten gesucht, und es schnell zurückgelegt, bevor ich es sah.
Ich hab es nicht gesehen. Ich war zu geschockt und verwirrt.
Dann widme ich mich dem Jugendbücher-Regal. Finde drei Bücher die in meiner Liste stehen. Auf den einem steht kein Preis.
Habe mich nach langer Verzweiflung für Bevor ich sterbe entschieden.

Samstag, 3. Dezember 2011

Ich war ab Mittag mit meinem Bruder alleine. Im Internet habe ich dann nach einem Muffinrezept geguckt.  Nachmittags habe ich die Muffins gebacken.
Da wir keine Muffinformen hatten, hab ich mir welche aus Alufolie gebastelt. Von der Rolle so ca. 20cm abgeschnitten, in der Mitte gefalten, über ein umgedrehtes Glas gestülpt und drumgelegt, und den Rand dann nochmal zurückgeklappt. Hat gut gehalten.

 Bis jetzt war der Tag, seit heute Mittag, ziemlich gut. Hoffe das bleibt so.